| Die Last der "Referenzaufnahmen"
Jazz lernen wir in erster Linie über die Performance kennen, nicht via Notentext. Drei Töne von Louis Armstrong reichen vollauf, um den grossartigen Trompeter und Sänger zu erkennen. Anders ausgedrückt: Jazzmusiker sind Autoren. Sie stehen für ihre persönliche Auslegung, ihres eigenen Textes im jeweiligen Kontext und Moment. Diese stete Präsenz der stilbildenden Persönlichkeiten lasten schwer auf jedem, der Jazz lernen will. Zuerst gilt es, viel zu üben und sich mit der Tradition zu beschäftigen, also mit den Aufnahmen von Armstrong und anderen. "Sei spontan" Danach sollte man aber vieles davon gleich wieder vergessen, um im Augenblick des Spiels zu einer möglichst eigenen Spielweise zu gelangen. Es geht ja darum, den inspirierten Moment zu erreichen, wo es "klappt", wo man ganz bei sich selbst ist und nicht bloss die Phrasen der Vorbilder nachspielt. Jazz ist also die hohe Kunst des Übens und Vergessens, die stets neue spielerische Befreiung von notwendigen Altlasten, die Überwindung der Tradition durch sie selbst. |
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